Die Zukunft des Geldes
In einer zunehmend digitalisierten und automatisierten Welt drängt sich eine grundlegende Frage auf: Wird es Geld in seiner heutigen Form überhaupt noch geben? Wenn Roboter und künstliche Intelligenzen einen Grossteil der menschlichen Arbeitskraft übernehmen und die Produktion nahezu grenzenlos skalierbar wird, entfällt die traditionelle Verknüpfung von menschlicher Arbeit und Entlohnung. In einem solchen Szenario wird oft ein bedingungsloses Grundeinkommen als Lösung diskutiert, um die Kaufkraft der Bevölkerung aufrechtzuerhalten und den Konsumzyklus am Laufen zu halten.
Die Antwort auf die Frage, ob Geld verschwinden wird, hängt jedoch fundamental davon ab, wie wir das Wesen von Geld definieren. Geld ist nicht bloss ein physisches oder digitales Tauschmittel; es ist ein gesellschaftlicher Vertrag, eine Recheneinheit und ein Wertspeicher. Es dient als Anreizsystem, das menschliches Verhalten steuert und Ressourcen allokiert. Selbst in einer hochautomatisierten Zukunft wird ein Mechanismus benötigt, um knappe Ressourcen – sei es Energie, Land oder seltene Materialien – zu verteilen. Das aktuelle globale Wirtschaftssystem deutet jedoch nicht auf ein baldiges Verschwinden des Geldes hin, sondern auf eine kontinuierliche Transformation und Ausweitung der Geldmenge durch staatliche Akteure.
Grundlagen des Keynesianismus
Das wirtschaftliche Experiment, das die gesamte Welt derzeit durchlebt, ist die keynesianische Wirtschaftstheorie. Nahezu jede Nation der Erde operiert heute nach den Prinzipien dieses theoretischen Rahmens, der massgeblich von dem britischen Ökonomen John Maynard Keynes geprägt wurde. Diese Theorie entwickelte sich als Antwort auf die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre, als die klassische Nationalökonomie keine ausreichenden Erklärungen oder Lösungen für den massiven wirtschaftlichen Einbruch und die daraus resultierende Massenarbeitslosigkeit bieten konnte.
Der keynesianische Ansatz beginnt mit einer sehr simplen, aber weitreichenden Prämisse über die menschliche Natur und die Funktionsweise von Märkten: Menschen verhalten sich nicht stets rational, und Volkswirtschaften sind von Natur aus nicht stabil. Wenn man die Wirtschaft sich selbst überlässt, so die Theorie, würde sie unweigerlich in Rezessionen oder sogar tiefe Depressionen abrutschen. Diese wirtschaftlichen Rückgänge verursachen immense gesellschaftliche Leiden. Massenarbeitslosigkeit führt nicht nur zu Einkommensverlusten, sondern auch zu einem Verlust an Würde, sozialer Stabilität und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Die klassische ökonomische Vorstellung, dass sich Märkte durch unsichtbare Kräfte stets selbst regulieren und zu einem Gleichgewicht zurückkehren, wird im Keynesianismus als zu passiv und gefährlich erachtet.
Die Rolle der Notenbanken
Um die negativen Folgen von Wirtschaftskrisen abzumildern, müssen gemäss der keynesianischen Lehre Regierungen und Zentralbanken in Zeiten der Not aktiv eingreifen. Ihr Eingreifen ist nicht reaktiv, sondern ein grundlegender Stabilisierungsfaktor des Systems. Die Instrumente, die ihnen dabei zur Verfügung stehen, zielen alle darauf ab, das Wirtschaftsgeschehen durch künstliche Stimulanz am Laufen zu halten.
Der wichtigste Hebel ist dabei die Geld- und Kreditpolitik. Zentralbanken erleichtern die Kreditvergabe, indem sie die Zinsen senken. Niedrige Zinssätze reduzieren die Kosten für Kredite, was Unternehmen dazu animiert, Kredite für Investitionen und Expansionen aufzunehmen, und Privathaushalte dazu ermutigt, Hypotheken für Immobilien aufzunehmen oder Konsumgüter zu finanzieren. Darüber hinaus betreiben Regierungen eine aktive Fiskalpolitik, die oft in Defiziten resultiert. Der Staat gibt mehr Geld aus, als er durch Steuern einnimmt, um beispielsweise Infrastrukturprojekte zu finanzieren und so Arbeitsplätze zu schaffen.
Zusätzlich kann die Zentralbank Liquidität direkt in das Finanzsystem pumpen, ein Prozess, der oft als quantitative easing bezeichnet wird. Durch den Ankauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren wird die Geldmenge ausgeweitet. Das übergeordnete Ziel all dieser Massnahmen ist es, sicherzustellen, dass die Menschen und Unternehmen weiterhin Geld ausgeben und die gesamtwirtschaftliche Nachfrage nicht zusammenbricht. Ein Einbruch der Nachfrage wird als das grösste Übel betrachtet, das es durch staatliche Intervention zu verhindern gilt.
Schulden und Inflationsrisiken
In einer keynesianisch geprägten Wirtschaft wird das Verhindern eines wirtschaftlichen Kollapses als weitaus wichtiger erachtet als die natürliche Bereinigung des Marktes. Ein Marktreset – also das Zulassen von Konkursen, dem Abbau von ineffizienten Strukturen und dem Fall von Assetpreisen auf ein natürliches, niedrigeres Niveau – wird aufgrund der damit einhergehenden kurzfristigen sozialen Härten vermieden. Diese Priorisierung hat jedoch signifikante langfristige Konsequenzen.
Der ständige Eingriff zur Krisenabwehr führt zwangsläufig zu einer stetig wachsenden Staatsverschuldung. Die Schuldenlast der Nationen erreicht historische Höhen, was wiederum die Handlungsfähigkeit zukünftiger Generationen einschränken kann. Ein weiteres zentrales Problem ist die Inflation von Vermögenswerten. Die ständige Liquiditätsbereitstellung und das niedrige Zinsniveau führen dazu, dass Investoren ihr Geld nicht auf dem Sparbuch liegen lassen, da die Rendite die Inflation nicht ausgleichen kann. Stattdessen fliessen die Mittel in Anlageklassen wie Aktien, Immobilien und Edelmetalle.
Dies führt zu einer starken Aufblähung der Preise für Sachwerte, insbesondere im Immobiliensektor. Wenn Immobilienpreise auf ein historisches Niveau steigen, wird der Erwerb von Wohneigentum für einen grossen Teil der Bevölkerung unerschwinglich. Dies führt zu einer gesellschaftlichen Spaltung, in der immer mehr Menschen dauerhaft zur Miete leben müssen, anstatt Eigentum aufzubauen. Um sich in diesem Umfeld der Geldentwertung zu schützen, suchen Anleger nach Wertspeichern. Traditionell dient hierbei Gold als Absicherung gegen systemische Risiken und Währungsabwertungen. Gleichzeitig versuchen Investoren, durch breit gestreute ETFs an der allgemeinen Assetinflation zu partizipieren, während andere gezielt in Aktien von Unternehmen investieren, die verlässliche Dividenden ausschütten, um einen stetigen Einkommensstrom in einer Niedrigzinswelt zu generieren.
Konsum statt Sparen
Ein wesentlicher Pfeiler der keynesianischen Philosophie ist die aktive Förderung des Konsums zu Lasten des Sparens. In der klassischen Ökonomie gilt Sparen als Tugend, da es den Kapitalstock einer Nation aufbaut, der für zukünftige Investitionen notwendig ist. Keynesianer argumentieren jedoch mit dem sogenannten Sparparadoxon: Wenn in einer Krise alle Menschen gleichzeitig versuchen, ihre Ausgaben zu reduzieren und zu sparen, sinkt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage derart stark, dass Unternehmen Umsätze verlieren, Mitarbeiter entlassen müssen und die Wirtschaft weiter in eine Rezession rutscht. Sparen wird in diesem Kontext als schädlich für die kurzfristige wirtschaftliche Erholung betrachtet.
Das System ist daher so konstruiert, dass es das Horten von Geld bestraft – insbesondere durch die Inflation, die als versteckte Steuer auf die Kaufkraft wirkt – und den Konsum belohnt. Die Rationale hinter diesem Ansatz ist, dass unser ständiger Konsum der primäre Motor für wirtschaftliches Wachstum ist. Es ist der unaufhörliche Drang der Konsumenten, Geld für Güter und Dienstleistungen auszugeben, der Unternehmen zwingt, zu innovieren und bessere Produkte zu entwickeln.
Ohne den Druck der Konsumentennachfrage gäbe es laut dieser Theorie keinen ausreichenden Anreiz für den technischen Fortschritt und die Steigerung der Lebensqualität. Eine dynamische, konsumfreudige Gesellschaft gilt als eine fortschrittliche Gesellschaft. Dies ist die zentrale Perspektive des Keynesianismus: Der Staat muss durch Schuldenaufnahme und Geldschöpfung den Konsum künstlich stimulieren, um den Innovationszyklus aufrechtzuerhalten und wirtschaftliche Stagnation zu verhindern, selbst wenn dies eine stetig wachsende Schuldenlast und eine Verzerrung der Vermögenspreise in Kauf nimmt.