Das Ende der ewigen Kriege
Die geopolitische Landschaft befindet sich in einer Phase grundlegender Transformation. Wenn die aktuellen Entwicklungen wie geplant verlaufen, steht die Welt nicht vor einem globalen Konflikt. Vielmehr ist eine Trendwende hin zu weniger Invasionen und Besatzungen zu beobachten. Der Grund hierfür liegt in der schrittweisen Auflösung des Modells der «ewigen Kriege» (Forever War Model). Dieses Modell, das über Jahrzehnte hinweg die internationale Politik und die Staatsausgaben vieler Nationen dominierte, verliert an wirtschaftlicher und strategischer Tragfähigkeit.
Prolongierte militärische Engagements haben historisch gesehen nationale Haushalte enorm belastet. Dies führte in der Vergangenheit häufig zu einer massiven Ausweitung der Geldmenge, was wiederum die Inflation anheizte. Wenn diese Ära der endlosen Konflikte nun ausklingt, könnte dies eine Phase der makroökonomischen Stabilisierung einleiten. Für Anleger bedeutet eine Reduzierung geopolitischer Risiken oft eine Neubewertung von Anlageklassen. So könnte der Druck auf traditionelle Sicherheiten wie Gold nachlassen, während gleichzeitig Kapital in breit gestreute ETFs fließen könnte, die von einer friedlicheren und berechenbareren globalen Wirtschaftsentwicklung profitieren. Die Zinsen, die in Zeiten hoher Staatsverschuldung und Kriegsfinanzierung oft volatil reagieren, könnten in einem stabileren Umfeld verlässlicher kalkulierbar werden.
Die Interessen der Vermögensverwalter
Grosse Asset Manager und institutionelle Investoren verwalten Billionen an Kapital und haben ein grundlegendes Interesse an der Einführung von programmierbarem Geld. Unter programmierbarem Geld versteht man digitale Währungen – wie etwa zentrale Bankdigitalwährungen (CBDCs) oder tokenisierte Assets –, die mit smarten Verträgen automatisierte Bedingungen erfüllen können. Für Vermögensverwalter bietet diese Technologie einen enormen Effizienzgewinn. Transaktionen können in Echtzeit abgewickelt werden, ohne die traditionellen Verzögerungen und Kosten von Zwischenhändlern.
Darüber hinaus ermöglicht programmierbares Geld eine präzisere Steuerung von Kapitalflüssen. In einem Umfeld, in dem die Inflation die Kaufkraft von Portfolios bedroht, ist die Fähigkeit, Mittel automatisiert in renditestarke Anlagen umzuleiten, von unschätzbarem Wert. Auch die Ausschüttung von Dividenden könnte durch Smart Contracts nahtlos und ohne Verwaltungsaufwand direkt an die Anteilseigner erfolgen. Die Einführung solcher Systeme würde es den Vermögensverwaltern erlauben, das Risiko besser zu managen und die Renditen für ihre Kunden zu optimieren, indem sie auf die feinen Justierungen der Zinsen durch die Zentralbanken unmittelbar reagieren können.
Wettbewerb und die Rolle der Banken
Während die etablierte Finanzbranche auf Effizienz und Kontrolle setzt, fordern die Befürworter von Kryptowährungen vor allem eines: Wettbewerb. Die dezentrale Natur von Krypto-Assets stellt das Monopol der traditionellen Finanzinstitute infrage. Die Idee ist, ein offenes Finanzsystem zu schaffen, in dem Innovation nicht durch regulatorische Hürden oder Gatekeeper ausgebremst wird. Dieser Wunsch nach Wettbewerb zwingt die klassischen Banken, sich zu positionieren. Ihr primäres Ziel ist es, in dieser neuen Welt nicht irrelevant zu werden.
Banken stehen vor der Herausforderung, dass grundlegende Finanzdienstleistungen – wie Überweisungen oder die Verwahrung von Vermögenswerten – durch dezentrale Protokolle zunehmend kommodifiziert werden. Um nicht an Bedeutung zu verlieren, integrieren viele Banken mittlerweile selbst Blockchain-Technologien oder bieten ihren Kunden den Handel und die Verwahrung digitaler Assets an. Für den Endverbraucher und den Privatanleger ist dieser Wettbewerb grundsätzlich positiv. Er senkt Gebühren, erhöht die Transparenz und beschleunigt die Entwicklung neuer Anlageprodukte, die über einfache Aktien oder ETFs hinausgehen.
Souveränität und technologischer Zugriff
Auf staatlicher Ebene haben die Souveräne – also die Nationalstaaten und ihre Regierungen – klare Prioritäten. Sie streben nach Kontrolle über ihre eigenen Länder, ohne dabei durch externe Kräfte destabilisiert zu werden. Gleichzeitig wollen sie an internationalen Verhandlungstischen einen festen Platz behalten. Dies umfasst die Fähigkeit, die eigene Wirtschaftspolitik autonom zu gestalten, etwa durch die Anpassung der Zinsen zur Bekämpfung der Inflation oder durch gezielte Förderprogramme. Um diese Souveränität zu wahren, nutzen Staaten auch komplexe Finanzinstrumente, wie beispielsweise Staatsfonds, die global investieren und durch Dividenden und Kapitalgewinne die heimischen Staatseinnahmen diversifizieren.
Parallel dazu fordern Technologen einen direkten Zugang zum Geld. Die Verschmelzung von Technologie und Finanzen – oft als FinTech oder Web3 bezeichnet – zielt darauf ab, finanzielle Interaktionen direkt in Softwarelösungen einzubetten. Jede Anwendung soll in die Lage versetzt werden, Wert zu übertragen, ohne auf externe Finanzdienstleister angewiesen zu sein. In diesem komplexen Gefüge übernimmt das Militär eine spezifische Rolle: Es fungiert als Garant und Durchsetzer der Regeln. Ohne eine Instanz, die die Einhaltung von Handelsabkommen und die Sicherheit globaler Lieferketten gewährleistet, würde das internationale Finanzsystem zusammenbrechen. Das Militär sichert somit die physischen Rahmenbedingungen für die digitale und finanzielle Ordnung.
Macht gegen Macht
Bei der Betrachtung dieser Dynamiken ist es wichtig, moralische Kategorien beiseitezulassen. Die Konflikte und Verhandlungen zwischen diesen verschiedenen Akteuren lassen sich nicht als ein Kampf von Gut gegen Böse oder von Wahrheit gegen Täuschung einordnen. Es handelt sich vielmehr um ein reines Kräftemessen: Macht gegen Macht.
Jeder Akteur nutzt die ihm zur Verfügung stehenden Werkzeuge, um seine Interessen durchzusetzen. Vermögensverwalter nutzen ihr enormes Kapital, Banken ihre historische Verflechtung mit der Realwirtschaft, und Staaten ihre legislative und militärische Macht. Wenn Zentralbanken die Zinsen ändern, ist dies eine Ausübung von Macht über die Kreditkosten und die Inflation. Wenn institutionelle Investoren massiv Kapital von Anleihen in Gold oder breit gestreute ETFs umschichten, ist dies eine Verlagerung von ökonomischer Macht. Investoren, die diese pragmatische Perspektive einnehmen, können emotionale und moralische Verzerrungen bei ihren Anlageentscheidungen vermeiden und sich stattdessen auf die harten Fakten der Liquidität, des Hebels und der Machtverhältnisse konzentrieren.
Vorverhandelte globale Zukünfte
Die auffälligste These in der aktuellen geopolitischen Analyse ist, dass die wesentlichen Weichenstellungen bereits gestellt wurden. Was die Öffentlichkeit in den Nachrichten verfolgt, wird als politisches Theater beschrieben. Die öffentlichen Auftritte von Staatschefs, die scheinbaren diplomatischen Krisen und die taktischen Provokationen sind demnach lediglich geopolitische Inszenierungen, die der nationalen Profilierung dienen.
Die Realität hinter den Kulissen sieht anders aus: Der Rahmen der möglichen Ergebnisse für die Zukunft wurde bereits vorverhandelt. Die Bandbreite dessen, was auf der Weltbühne passieren kann, ist durch geheime oder halböffentliche Abkommen stark eingeschränkt worden. Extreme Szenarien, wie ein totaler wirtschaftlicher Kollaps oder ein unprovozierter globaler Krieg, wurden demnach von den Mächtigen ausgeschlossen, da sie niemandem nützen würden.
Für die Finanzmärkte hat diese Annahme weitreichende Konsequenzen. Wenn die Zukünfte vorverhandelt sind, bedeutet dies, dass die systemischen Grundpfeiler intakt bleiben. Es mag wirtschaftliche Abkühlungen, Korrekturen an den Aktienmärkten oder Phasen höherer Inflation geben, aber das übergeordnete System wird gestützt. Anleger können sich darauf einstellen, dass extreme Volatilitäten letztlich durch Interventionen gedämpft werden. Eine langfristig orientierte Strategie, die auf die kontinuierliche Ausschüttung von Dividenden, die breite Streuung durch ETFs und den stabilisierenden Einsatz von Gold als Absicherung setzt, bleibt in einem solchen Umfeld die rationalste Herangehensweise. Die Anpassungen der Zinsen und die Kämpfe gegen die Inflation sind Teil des vorverhandelten Spiels, das darauf abzielt, die Balance der Mächte zu erhalten, anstatt sie zu zerstören.